8. Hilfslieferung im Krieg

Kurz vor der Abfahrt in Pfreimd

Nach langen kriegsbedingten Verzögerungen und Lieferschwierigkeiten der Hilfsgüter kommen Olexandr Kopak (2. von links) und der stellvertretende Bürgermeister von Owrutsch Volodymyr Grischkowez (2. von rechts) nach Pfreimd, um weitere humanitäre für die Region Zhytomyr abzuholen. Die Ladung enthält dieses Mal Schäuche und Lampen für die Feuerwehr von Owrutsch, Ersatzteile für die Rettungsfahrzeuge in Yahotyn und ein Sonographiegerät für das Krankenhaus in Narodytschi.

Die Klinik in Owrutsch erhält Spritzen, Infusionsbestecke, Phototherapielampen für die Behandlung von Gelbsucht bei Neugeborernen sowie ein tragbares Sonographiegerät. Als Dank erhält Dr. Ziegler eine Urkunde für die umfangreiche und notwendige Hilfe seitens der Stadt Owrutsch. Mit 91 Dörfern ist sie die größte Gemeinde der Ukraine und musste in den letzten Wochen 70 Luftangriffe aushalten, alle ausgehend vom nahegelegenen Territorium von Belarus. 180 Privathäuser und 400 Wohnungen wurden zerstört, auch das Krankenhaus, das Arbeitsamt, eine Musikschule und mehrere allgemeinbildende Schulen wurden beschädigt oder zerstört. Das Krankenhaus konnte bereits vollständig repariert werden und bis auf eine Familie haben alle Bewohner der Stadt überlebt.

Notwendiges Fahrzeug für das Krankenhaus in Blahovishtchenske

Dank einer großzügigen Spende der Klaus und Gertrud Conrad-Stiftung konnten wir einen Van finanzieren, der notwendig ist für die Mobilität innerhalb des Krankenhausgeländes in Blahovishtchenske. Die Klinik besteht aus mehreren teils recht weit auseinanderliegenden Gebäuden. Ein ähnliches Fahrzeug war vor einigen Monaten zu militärischen Zwecken beschlagnahmt worden. Der Van ist neu und wurde in der Ukraine gekauft.

Chefarzt Dr. Semko nimmt das Fahrzeug entgegen.

Krankenhaus Owrutsch wird zum Empfänger von Hilfe

Bereits in der Vergangenheit erhielt des Krankenhaus in Owrutsch, eine Großstadt nahe der weißrussischen Grenze im Nordwesten des Landes, medizinische Geräte aus der Oberpfalz und zum zweiten Mal seit Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 liefert der Verein dank der großen Spendenbereitschaft der oberpfälzer Bevölkerung und japanischer Stiftungen Medikamente, Spritzen, Infusionen, Verbandmaterial, medizinische Geräte, Babynahrung und Pflegemittel in großem Umfang in die vom Krieg gezeichnete Stadt, wobei der Schwerpunkt auf der Versorgung von Säuglings- und Kinderstationen liegt. Das gerade vor einem Jahr renovierte Krankenhaus ist zwar nicht zerstört, weist aber erhebliche Beschädigungen auf, auch die Gynäkologie ist betroffen.

Die Feuerwehr der Stadt erhält mit der erneuten Lieferung hochwertige Ausrüstung, obliegt den Männern doch die Aufräumarbeit nach Bombenangriffen, die Suche nach Verletzten und deren Bergung, die Säuberung verminten Bodens.

Olexandr Kolpak und Mykola Ozhyk (von links) übergeben die aus Pfreimd abgeholte Ware an Feuerwehrmänner in Owrutsch.

Blahovishtchenske ist das Ziel

Am 18. Juli 2022 geht ein weiterer Transport mit Medikamenten und Krankenhausbedarf auf die weite Reise in die ehemals so genannte Stadt Uljanovka, auf halbem Weg zwischen Kiev und Uman gelegen. Ein Mitarbeiter der dortigen Klinik holt die Hilfsgüter aus Pfreimd ab. Mit im Gepäck befinden sich Ersatzteile für die beiden Krankentransport-fahrzeuge, die im November 2019 an die Kliniken Blahovishchenske und Yahotyn übergeben wurden.

Weitere Hilfslieferung erreicht Zhytomyr

Am 3. Juni 2022 übernahmen die Feuerwehrleute von Zhytomyr eine Hilfslieferung im Wert von 72.000 Euro: weitere Ausstattung für den Zivilschutz, Medikamente und Geräte für ein perinatales Zentrum, eine Entbindungsstation sowie Kinderstationen in Zhytomyr, Owrutsch und Narodytschi, Operationsbedarf für Krankenhäuser und Ersatzteile für die Sterilisation in Yahotyn.

Dankbrief der 1986 aus Prypyat Evakuierten

Übersetzung
Wir, die Opfer der Katastrophe von Tschernobyl, bezeigen unsere recht herzliche Dankbarkeit für Ihre Ermunterung, materielle und medizinische Hilfe in den für uns schwierigen Zeiten, wenn Russland friedliche Städte und Dörfer in der Ukraine bombardiert und mit Atomwaffen bedroht.
Jeder von uns weiß nicht, ob er am Tag darauf die Sonne sieht. Es ist sehr schön bewusst zu sein, dass es Menschen gibt, denen unser Leben und unsere Gesundheit am Herzen liegen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung, für Ihre Gutherzigkeit, dass Sie unseren Problemen nicht beiseite stehen.
Wir wünschen Ihnen alles Gute und persönliches Wohlergehen, einen friedlichen Himmel und Existenzsicherheit.








Worte großer Dankbarkeit

Brief aus Narodytschi, 16. Mai 2022

Wir möchten Ihnen unseren besonderen Dank für die  humanitäre Hilfe aussprechen, die Sie uns in einer so schwierigen Zeit geleistet haben, die wir so dringend benötigten, um den vom russischen Aggressor betroffenen und besetzten Dörfern zu helfen. Humanitäre Hilfe wurde hauptsächlich an Menschen verteilt, die die medizinische Versorgung und Behandlung benötigten, sowie an Menschen, die in den besetzten Gebieten lebten. Ihre Hilfe hat in diesen schwierigen Momenten viele Leben gerettet, und dank Ihnen und Ihrer Hilfe werden noch viele weitere Leben gerettet worden sein.
Menschliche Beziehungen sind ohne Äußerung von Wärme und Fürsorge nicht vorstellbar. Danke, dass Sie uns nicht vergessen haben und uns in einem unruhigen und schwierigen Moment nicht verlassen haben.
Vielen Dank! Tatsächlich werden keine Worte ausreichen, um Ihnen voll und ganz zu danken. Ich möchte nur, dass sie es fühlen. Denn die wahren Gefühle liegen nicht in den Worten, sondern in der Seele! Es gibt Menschen, die diese Welt besser machen. Sie gehören zu denen. Wie gut, dass sie sind! Dieser Gedanke wärmt uns in schwierigen Momenten und in Glücksmomenten.


1986 aus Prypjat Evakuierte erhalten Medikamente aus der Oberpfalz

Auf dem Foto sind die Mitglieder des Vereins Prypjat-Zentrum. Sie haben die Medikamente aus der Lieferung Nr. 2 erhalten. Dies sind ehemalige Einwohner der Stadt Prypjat, die im April 1986 aus dieser Stadt evakuiert wurden. Viele arbeiteten beim Kernkraftwerk Tschernobyl. Leider haben sie nicht den Status „Liquidator“, sondern nur „evakuiert“. Sie bitten ein großes Dankeschön zu übergeben.  Man bereitet auch ein Dankschreiben vor. (Brief aus Zhytomyr, 17.05.2022)

„Sie wissen wahrscheinlich bereits, dass die Angreifer während der Besetzung von Tschernobyl den Tschernobyl-Wald in Brand gesteckt hatten. Es wurde sich damit wesentlich die Strahlenbelastung erhöht, dies verursachte zu Massenanrufung der Menschen an medizinische Hilfe wegen Rekrudeszenz chronischer Krankheiten, nämlich: Blutdruck, Bluthochdruck, Schlaganfälle, Herzinfarkte, das schnelle Fortschreiten von Krebs, der Stress des Krieges, die Zahl der Krankenhausaufenthalte verdoppelte.


Zwei weitere Hilfslieferungen

Am Samstag, den 23. April 2022, konnten Mitarbeiter der Feuerwehr aus Zhytomyr eine weitere umfangreiche Hilfslieferung in Empfang nehmen, bestehend aus Schutzkleidung und einem Trennschneider für die Feuerwehr sowie Medikamenten, Verbandsmaterial, Infusionen, Pflegeartikeln und Babynahrung. Dieser Transport wurde von der japanischen „Association for the Children of the World“ gesponsert sowie von der Vereinigung „Amberg hilft Menschen“ unterstützt.

Das Krankenhaus in Blahovishtchenske erhält am 27. April 2022 Medikamente, Verbandmaterial, Infusionen, medizinisches Verbrauchsmaterial, Windeln, Babynahrung, Babykleidung sowie ein Intensivbett.